Neue Orthese nach Hallux-valgus OP

Erfahrungsbericht von Priv. Doz. Dr. med. Klaus A. Milachowski,
Facharzt für Orthopädie in München.

Zahlreiche Operationsverfahren konkurrieren in der operativen Behandlung des Hallux valgus. Es sind heute zunehmend gelenkerhaltende knöcherne Korrekturosteotomien des Metatarsale I, die neben der Exostosenabtragung und der Weichteilkorrektur zur Anwendung kommen. Die Arthrodese wird vom Patienten, vor allem von der Patientin, in der Regel abgelehnt. Allen OP-Verfahren gemeinsam ist die Notwendigkeit der postoperativen (Teil-) Entlastung; zur Anwendung kommt hier in der Regel der Vorfußentlastungsschuh, bis Schmerzfreiheit eingetreten ist. Viele Operateure bevorzugen nach erfolgter Korrekturoperation bei Hallux valgus die Fixierung in der ersten postoperativen Phase mittels Schienen beziehungsweise Orthesen, um so bei durchgeführter ossärer Korrekturosteotomie auch die erzielte Weichteilkorrektur im Narbengewebe zu erhalten und zu stabilisieren.

Intermetertarsalwinkel: 16°
Hallux-valgus-Winkel: 40°

Intermetertarsalwinkel: 10°
Hallux-valgus-Winkel: 19°

Abbildung 1a und b: Korrekturwirkung der Hallufix®-Schiene

Anwendungen

Bisher standen hier nur industriell gefertigte Nachtschienen zur Verfügung, die zudem teilweise schwierig im frisch operierten Gebiet anzupassen sind und durch unphysiologischen Druck Schmerzen im OP-Bereich verursachen. Sehr viele Patienten haben die Nachtschiene deshalb nicht mehr getragen. Durch die Hallufix®-Schiene ist es nunmehr möglich, auch in der aktiven Frühmobilisierung mit einer Orthese die Korrekturosteotomie zu sichern und so dem Patienten das Gefühl zu geben, einen zusätzlichen Schutz im OP-Bereich zu haben. Die Hallufix®-Schiene korrigiert die Fehlstellung dynamisch (Abb. 1a und b), weshalb sie auch die konservative Behandlung des Hallux valgus revolutioniert hat (Krauss).

Werzinger hat die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut entwickelte Aktivbandage zur Korrektur des Hallux valgus erstmals auch im postoperativen Bereich angewandt und über gute Ergebnisse in der Nachbehandlung nach Großzehenendoprothesen berichtet.

Abbildungen 2a und b: Zustand nach modifizierter Chevron-Osteotomie mit Kirschnerdrahtfixation

Erfahrungen aus der Praxis

Meines Erachtens besteht ein zusätzlicher Vorteil dieser Aktivbandage nicht nur in der konservativen Behandlung des Hallux valgus, sondern auch in der postoperativen Phase. Auch bei unterschiedlich durchgeführter OP-Technik (z. B. OP nach Austin, Chevron-Osteotomie, Scarf-Osteotomie, Basiskeilosteotomie, TEP) lässt sich eine optimale Korrektur mit der Schiene sichern. Ich verwende die Hallufix®-Schiene routinemäßig in der Nachbehandlung nach Vorfußkorrekturosteotomien (Abb. 2 und 3) und nach Implantation von Totalendoprothesen. Auch bei starker Ödembildung lässt sich die Schiene gut individuell anpassen. Komplikationen sind bisher keine aufgetreten.

Abbildungen 3a und b: Zustand nach modifizierter Chevron-Osteotomie mit Kirschnerdrahtfixation

Handhabung

Die Hallufix®-Schiene sollte bei schmerzhaften Füßen zunächst nur in der Nacht getragen werden. Die Anwendung kann dann stundenweise tagsüber gesteigert werden. Die Handhabung durch den Patienten ist einfach und sehr gut individuell steuerbar. Vor allem die Patienten empfinden es als äußerst angenehm, im relativ frisch operierten Bereich einen aktiven Schutz zu finden und können somit auch wieder frühzeitiger zu normalem Schuhwerk in der täglichen Belastung zurückkehren.

Kostenübernahme

Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen inzwischen nach Voranschlag die Kosten für die Orthese.

Literatur beim Verfasser

Priv. Doz. Dr. med. Klaus A. Milachowski
Facharzt für Orthopädie
Theatinerstraße 35, 80333 München